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Ungarisch

Merkmale der Sprache

Für deutsche Lerner ist Ungarisch nicht so leicht zu erlernen. Deshalb lassen wir unseren Kursteilnehmern auch (im Vergleich zu Französisch oder Englisch) 30 Unterrichtsstunden mehr Zeit, um die Niveaustufe A 1 zu erreichen. Doch was ist so anders im Ungarischen?

Da wäre zunächst die Aussprache. Im Ungarischen entsprechen alle Buchstaben genau einem Laut, wobei auch Buchstaben aus zwei bzw. drei Graphemen – die Digraphen cs, gy, ny, zs bzw. Trigraphen dzs – als eigene Buchstaben gelten, die jeweils für eine Lautung (Phonem) stehen. Diphthonge, die es im Deutschen gibt, z. B. ‚eu’, ‚ei’, gibt es im Ungarischen nicht. Hier werden die Doppelvokale getrennt ausgesprochen, z. B. ‚Europa’ als E-u-ropa. Der Wortakzent liegt – selbst bei Fremdwörtern - stets auf der ersten Silbe gyertya (Kerze), Nobel-díj.  

Dazu kommt die sogenannte Vokalharmonie, das wichtigste Lautgesetz des Ungarischen überhaupt. Dabei klingen die ungarischen Wörter für uns so, als ob immer dieselben Vokale wiederholt werden: vevő (der Käufer), megyek (ich gehe), értékes (wertvoll). Dennoch: Die meisten Suffixe (Endungen) harmonieren mit dem Wortstamm, an den sie angefügt werden: épületben (im Gebäude), szobában (im Zimmer), cseresznyével (mit Kirschen). Diese beiden Merkmale verleihen dem Ungarischen aber auch eine sehr große phonetische Harmonie.

Spätestens bei der Grammatik bzw. Satzbildung rauft sich der deutsche Lernende aber die Haare. Ungarisch gehört zu den agglutinierenden Sprachen. Das heißt, dass alles, was bei uns zum Substantiv gehört (Präpositionen, Artikel, Adjektive) als Silben (Präfixe und Suffixe) dem Wort hinzugefügt wird. Daraus entstehen dann besonders lange und zunächst verwirrende Worte, die aber auch einem deutschen Satz entsprechen können: legesleggyorsabbaknak (für die Allerschnellsten), megkérném (Ich würde Sie um etwas bitten.), Felhívhatnál! (Du könntest mich doch anrufen!).

Außerdem kennt die ungarische Sprache keine Hilfsverben bis auf „sein“ – van mit eigenständiger Bedeutung (wie ‚sein’, ‚haben’, ‚werden’). Bis auf ‚van’ werden die Hilfsverben zur Bildung zusammengesetzter Verbformen gebraucht. So wird durch Konjugation des Hilfsverbs fog (werden) und die Infinitivform des Verbs das Futur gebildet: Fel fogom hívni Pétert. (Ich werde Peter anrufen.). Und statt der Hilfsverben werden – Sie ahnen es – dem Vollverb Silben (Endungen bzw. Suffixe) hinzugefügt. Beispielsweise wird die Konjunktiv II-Gegenwartsform – was im Ungarischen dem Konditional Präsens entspricht – für das Verb „warten auf’“ in der 1. Person Singular aus dem Infinitivstamm (megvárn) des Verbs und der Endung -álak zu megvárnálak (Ich würde auf dich warten) gebildet.

Aber keine Angst. Es gibt auch einiges, das leichter ist als bei anderen Sprachen. Das Ungarische kennt keine Geschlechter und die Wortstellung ist variabel. Das allerdings könnte so manchen Übersetzer ins Deutsche in den Wahnsinn treiben. 

m_paprika-1 Ungarisch - Ungarisch - Spracheninstitut Uni Leipzig
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