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Interview mit Frau Drozd

Fragen zur Sprache, zur Mentalität, zu Land und Bräuchen

J. Drozd

Drei Fragen zur tschechischen Sprache

1. Auf welche Probleme stoßen besonders Deutsche beim Erlernen des Tschechischen?

Die Aussprache bereitet am Anfang vielen Probleme, sei es das rollende „R“, das „Ř“ mit dem Häkchen, oder die vielen Konsonantenhäufungen. Es gibt Wörter, ja ganze Sätze, die ganz ohne Vokal auskommen. Aber auch hier gibt es Tipps und Tricks, wie man die Aussprache gut erlernen kann.

2. Wie viele Stunden Tschechisch-Unterricht braucht man ungefähr, bis man sich ohne Probleme im Land bewegen kann. 

Nach ca. 30 Stunden ist man sprachlich nicht mehr ganz so hilflos und kann bereits einfache Sätze formulieren. Interessant wird es sicher erst nach 60 oder noch besser 90 Stunden. Ich lege im Unterricht großen Wert darauf, den Teilnehmern so früh wie möglich kommunikative Selbständigkeit zu ermöglichen. Bereits nach der ersten Stunde können deshalb die meisten schon ausdrücken, woher sie kommen, wie sie heißen, was sie beruflich machen, wer zu ihrer Familie gehört und wie es ihnen geht. Umgekehrt können sie auch ihren Gesprächspartner dazu befragen. Nicht schlecht für den Anfang, oder?

3. Bitte nennen Sie uns 5 Tipps für alle, die Tschechisch lernen möchten.

  • Das Hören von Radio (z.B. http://www.radio.cz) oder Musik, um die tschechische Sprachmelodie zu verinnerlichen,
  • Sorgfalt beim Schreiben von Anfang an, denn alle Häkchen, Punkte und Längenstriche haben eine Bedeutung und müssen beachtet werden,
  • ein Sprachtandempartner,
  • ein mehrwöchiger Aufenthalt im Land, verbunden mit einem Sprachkurs,
  • sich trauen zu sprechen ;-)

Fragen zur Mentalität

1. Worin unterscheidet sich der Alltag in der Tschechischen Republik und Deutschland besonders deutlich?

Sehr groß sind die Unterschiede nicht. Während man in Deutschland gerne plant, strukturiert, organisiert und eines nach dem anderen abarbeitet, mögen es die Tschechen eher etwas freier. Feste Regeln und Vorschriften hemmen nur die Kreativität – Improvisation und Raum für Spontaneität dagegen werden sehr groß geschrieben. Multitasking, d.h. die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, mag manchmal den Eindruck von leicht chaotischem Verhalten erwecken, ist aber meistens sehr effektiv und stellt einfach eine andere Art der Problemlösung dar.

2. Welches sind die größten Fettnäpfchen, die auf einen Deutschen in der Tschechischen Republik warten? 

Die Tschechen haben sich schon immer als Mitteleuropäer verstanden, dementsprechend ungern sehen sie es, mit anderen Staaten des (ehemaligen) Ostblocks in einen Topf geworfen zu werden. Ein großer Fauxpas ist es, die alte Bezeichnung „Tschechei“ zu verwenden – was ich selbst heute noch hin und wieder höre. Politisch korrekt hält man sich einfach an die offizielle Länderbezeichnung oder sagt „Tschechien“.

3. Gibt es ein Lebensmotto der Tschechen? Wenn ja, wie heißt es?

Ob es EIN Lebensmotto für alle Menschen eines Landes gibt, wage ich zu bezweifeln. Auch in Tschechien gibt es natürlich viele Redewendungen und Lebensweisheiten. Um nur ein Motto aufzugreifen, welches die Verbundenheit der Tschechen mit ihrer Heimat schön darstellt: „Všude dobře, doma nejlíp!“ Das bedeutet so viel wie: „Woanders ist es zwar auch schön, aber am allerbesten ist es doch zu Hause!“

Fragen zum Land

1. Wenn man nur eine Woche Zeit für einen Aufenthalt in der Tschechischen Republik hätte, was sollte man unbedingt sehen?

Wer noch nie in Tschechien war, wird sicherlich nicht um Prag herum kommen, denn das ist wirklich eine aufregende und sehenswerte Stadt.
Ich bin besonders gern in Südböhmen (Jižní Čechy) oder Mähren (Morava), das ist der östliche bzw. südöstliche Teil Tschechiens. Auch hier gibt es wunderbare Städte, wie z.B. Olomouc, Brno, Telč, Lednice oder Hodonín.
Ich habe festgestellt, dass viele Tschechien-Urlauber sich eher auf den geographisch näheren westlichen Teil Tschechiens beschränken, was schade ist, denn auch der östliche Teil Tschechiens hat so viel Schönes zu bieten.

2. Welche Gerichte würden Sie bei einem Besuch in einem tschechischen Restaurant unbedingt empfehlen? Gibt es auch ein Gericht, das man besser meiden sollte? 

Natürlich den gebratenen Käse „smažený sýr“. Zusammen mit „tatarská omáčka“ (einer Art Remoulade) ein Gericht, das nicht nur Vegetariern schmeckt. „Knedlíky“ – Knödel sind natürlich auch sehr beliebt, ob zum Gulasch – „guláš“ oder zum Lendenbraten mit Sahnesauce – „svíčková na smetaně“. Wer keine Innereien mag, der sollte „dršťková polévka“ meiden, denn dahinter verbirgt sich eine Kuttelsuppe.

3. Was schätzen Sie besonders am Land Tschechische Republik? 

Tschechien ist ja nicht so übermäßig groß. Dennoch kann man überall etwas Interessantes sehen oder erleben, egal wo man sich aufhält. Es gibt Schlösser und Burgen, tolle Badeseen, Nationalparks, Gebirge, Berge und Wälder zum Wandern. Und natürlich die landschaftliche Vielfalt, vom Norden, mit seinen teils schroffen und herben Gebirgszügen, bis hin in den Süden, mit seiner malerischen, ja fast lieblichen Landschaft.

Fragen zu Weihnachten

1. Gibt es etwas Besonderes, was Sie an Weihnachten in der Tschechischen Republik mögen? Vermissen Sie das hier?

Es gibt in Tschechien eine schönen Weihnachtsbrauch: wer am Heiligen Abend ein Goldenes Schweinchen sehen möchte, der sollte sich von den weihnachtlichen Leckereien nicht verführen lassen. Nur wem es gelingt, den ganzen Tag zu fasten, der sieht am Abend mit etwas Glück das goldene Rüsseltier die Wand entlang huschen. Als Kind hatte ich mir immer vorgenommen, ENDLICH das Schwein zu Gesicht zu bekommen. Allerdings konnte ich in direkter Nähe zu Tellern voll mit Weihnachtsgebäck nie so viel Willenskraft aufbringen, um den Wahrheitsgehalt dieser Legende zu überprüfen.

Am Weihnachtsabend ist es bei uns Tradition, die Weihnachtsmesse „Česká mše vánoční“ von Jakub Jan Ryba, einem hier in Deutschland eher unbekannten böhmischen Komponisten der Romantik, zu hören.  

m_telc Tschechisch - Interview mit Frau Drozd - Spracheninstitut Uni Leipzig
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